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Fooden mit Fun
Gut, gesund und genussreich soll die Ernährung anlässlich von Seminaren
sein.
Das Stehbuffet wird immer beliebter. Hedwig Schaffer
Jeder Küchenchef weiß: An Kongressen Kursen, Tagungen und Seminaren sind
Knoblauch, Kohl und Kabis tabu. Dieses mit K beginnende Lebensmittel-Trio
hat auf den Tellern von in Gruppen speisenden Geistesarbeitern nichts
zu suchen. Mahlzeiten, die blähen, werden anlässlich von Meetings von
niemanden geschätzt. Leichte und bekömmliche Kost ist gefragt, und es
gilt die Devise: "Feed your brain." Denn Nahrung für das Gehirn macht
leistungsfähiger. So einfach ist das. Und dennoch ist das Komponieren
eines optimalen Seminar-Menus schwierig, wenn ein Koch die Richtlinien
der ernährungsmedizinischen Literatur einhalten will.
Überzeugende Erkenntnisse
Die wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse überzeugen zwar, doch das
Umsetzen in die Praxis ist kompliziert. Hinzu kommt, dass Seminare bezüglich
der Essengewohnheiten von sich höchst unterschiedlich ernährenden Teilnehmern
ohnehin Eintagsfliegen sind. Beeinflussbar ist hier nicht die allgemeine
Kondition des Einzelnen, sondern lediglich dessen Tagesform. Diese Tatsache
entlastet das Gewissen der Gastgeber weitgehend. Von einem Hotel oder
Restaurant kann nicht mehr erwartet werden, als dass es sich an die einschlägigsten
Richtlinien hält. Dieser Ansicht ist um Beispiel Matthias Knoche, F&B-Manager
bei Mövenpick Hotels & Resorts in Egerkingen.
"Für das Mittagessen reichen in der Regel zwei Gänge. Wir empfehlen entweder
eine kleine Vorspeise in Form eines Süppchens oder Salats und einen Hauptgang
oder - als Alternative - einen Hauptgang und ein Dessert", erklärt Knoche.
Das Essen dürfte weder ermüden noch belasten, damit auch in der zweiten
Tageshälfte volle Konzentration möglich sei. Bestehe eine Gruppe hauptsächlich
aus Männern, werde ein Menu mit einer kleinen Portion Fleisch (meist Kalbfleisch
oder Poulet plus reichlich Gemüse) oder Fisch bevorzugt. Überwiegten die
Frauen, sei eher vegetarische Kost gefragt. Natürlich seien auf Wunsch
auch zwei Varianten erhältlich. Die reichhaltigere Mahlzeit werde auf
den Abend verlegt.
Voll im Trend sei jetzt an Seminar-Anlässen und Tagungen das Stehbuffet
mit Fingerfood, ergänzt Knoche: "Wer den leiben langen Tag sitzt, schätzt
das bisschen Bewegung, das er sich während des Lunchs verschaffen kann."
Das Stehbuffet ermögliche die freie Kommunikation unter den Teilnehmenden.
Während diese den kleinen Huber mit Häppchen stillten, könnten sie nach
Herzenslust zirkulieren. Zudem sei man nicht während der ganzen Mittagspause
mit Essen beschäftigt.
Kick in der Pause
Im Umgang mit der Kundschaft muss kaum noch Überzeugungsarbeit geleistet
werden. "Die meisten Seminar-Veranstalter wissen heute, was unter leichter
Kost zu verstehen ist. Und es ist ihnen bekannt, dass Leichtverdauliches
von praktisch allen Absolventinnen und Absolventen bevorzugt wird", ist
der F&M-Manager Adrian Landtwing vom Kongresszentrum Seedamm Plaza in
Pfäffikon überzeugt. Die Auswahl an speziellen Bankett- und Seminar-Menus
sei in diesem Hause groß - die Küche sorge laufend für Abwechslung. Komme
fleisch in Frage, würden vor allem magere, gegrillte Stücke bevorzugt.
Zudem laute eine eiserne Regel: "Drei Gänge sind das Maximum." Gekocht
werde auf der Basis von Frischprodukten und somit saisonorientiert. Convenience-Produkte
würden seltener verwendet. Selten oder nie ordern Firmen laut Landwing
anlässlich von Seminaren alkoholische Getränke. Und wenn, dann höchstens
ein Glas Wein pro Person. Der Begriff "Brain Food" hat für ihn mit Energy
Food zu tun. Fisch und Broccoli stimulierten den Geist, aber auch Schokolade,
Zucker und Bananen erzeugten die gewünschte Wirkung, erklärt er. Deshalb
würden im Kongresszentrum Seedamm Plaza in den Pausen Energieriegel und
Energie spendende Getränke, Multivitamin-Jus und Früchte angeboten. Auch
ein süßer, kleiner Nachtisch mache als Energiespender Sinn.
Keine spezielle Brain-Food-Philosophie hat sich das "Allegro" im Berner
Kursaal auferlegt. Doch das Angebot an Drei- bis Viergang-Menus ist laut
der Sales-Assistentin Bettina Schor derart breit gefächert, dass jeder
Kunde das für seinen Anlass Passende findet. Spezielle Wünsche nimmt der
Küchenchef jeweils persönlich entgegen.
Ein bisschen Fleisch?
Was sagen die Nahrungsmittel-Lieferanten zum Thema Verpflegung an Meetings?
Franz Kupper, Geschäftsführer von Bell AG, Gastroservice in Kriens: "Heute
wird zwar vermehrt fleischlos gegessen, doch für die Gesundheit ist es
am besten, wenn sich der Mensch ausgewogen ernhärt." Kalbfleisch und magere
Stücke vom Lamm, aber auch Entrecôtes und Hüftsteaks seien in Kongress-
und Seminar-Hotels stark gefragt. Grilliert und ohne Sauce serviert sei
Fleisch trotz seines gewissen Fettanteils relativ leicht und bekömmlich.
Scharfes als Muntermacher
Gmür AG mit Sitz in Zürich importiert kulinarische Köstlichkeiten aus
aller Welt. "Ein großer Teil unserer Produkte kommt aus Asien", präzisiert
der Geschäftsführer Reto Gmür: "Dabei handelt es sich um besonders leichte
und bekömmliche Produkte." Bekömmlichkeit sei indessen nicht das einzige
Kriterium für eine zweckdienliche Zwischenverpflegung: Zur Förderung der
Konzentrationsfähigkeit eigneten sich scharfe, beispielsweise mit Chili
gewürzte Häppchen. Hinzu komme, dass originelle Produkte Aha-Erlebnisse
böten und für Gesprächsstoff sorgten. Zudem bevorzuge sein Unternehmen
Produkte, welche die Kundschaft mit kleinem Aufwand vorbereiten und problemlos
sowie ohne Qualitätsverlust längere Zeit warm halten könne. "Unser Angebot
muss fingertauglich, das heißt an Stehtischen oder im freien Stehen konsumierbar
sein", hält Gmür fest: "Und damit für Abwechslung gesorgt ist, halten
wir im Interesse der modernen Gastronomie stets die Nase vorn."
Snacks sind im Trend
"Brain Food ist ein unterschiedlich auslegbarer Begriff", findet Hans
Ulrich Schaer, Direktor der Mövenpick Produktions AG in Birmensdorff:
"Mit den Ansprüchen, die Brain Food stellt, ist die Ernährungsindustrie
überfordert." Als Convenience-Food-Hersteller sei Mövenpick weder auf
die Hirntätigkeit stimulierende Push-Produkte noch auf Functional-Food
spezialisiert. Das Angebot sei ganz auf den Dienstleistungsbereich vor
Ort ausgerichtet, wobei das Sortiment laufend mit hauseigenen und externen
Gastronomen erneuert werde. Ein spezifisch leichte Produktpalette besitze
Mövenpick nicht - höchstens in den Bereichen Bio und Ballaststoffe könne
ein Beitrag geleistet werden.
Auch Hans Ulrich Schaer ist aufgefallen, dass der Trend an Kongressen,
Seminaren und Tagungen in der Mittagspause in Richtung Snacks geht. Fingerfood
entspreche dem Zeitgeist und sei kommunikativ. "Gleichzeitig nimmt der
Convenience-Grad laufend zu, wobei der Gast nichts davon merken soll.
Die Qualität muss den frisch zubereiteten Produkten ebenbürtig sein",
hebt Schaer hervor.
Quelle: H&G 3/2001
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